6. September 2003
SookmyungMeine erste Schulwoche ist nun vorbei. Letztes Wochenende hab ich auch die restlichen Austauschstudenten kennen gelernt, und wir sind jetzt: Hanna und ich aus Tampere; Liselotte, Theresia, Anja und Hyun Jeong aus Bamberg (wobei die Letztere eine Deutsche Koreanerin ist), Nobuhiro aus Japan (männlich) und drei Mädchen aus Taiwan (leider hab ich die Namen schon vergessen). Normalerweise kommen hier jährlich auch 20-30 Chinesen, aber dieses Jahr konnten sie keinen Austausch wegen der SARS Epidemie machen.
Einige Fakten über die Uni: Sookmyung Women’s University wurde im Jahre 1906 gegründet als erste private Universität für Frauen in Korea. Sie ist die zweitgrößte Frauenuniversität der Welt, die Nummer Eins ist die Ehwa Women’s University, die sich auch hier in Seoul befindet. Der Kampus liegt auf zwei Seiten der Straße und besteht hauptsächlich aus weißen, großen Gebäuden. Momentan renovieren sie noch die Gebäuden, obwohl es eigentlich bis Semesteranfang fertig werden sollte, deswegen hab ich auch keine Fotos gemacht. Mehr Information über die Schule gibt es auf Englisch, falls sich jemand dafür interessiert..
Unter der Woche besuchten wir das Immigration Office für die Registrierung, jetzt wo wir auch alle die nötigen Papieren zusammen hatten. Langsam hab ich wirklich das Gefühl, dass es hier ganz genau kontrolliert wird, wo du hingehst, was du dort machst. Vor der Landung im Flugzeug musste man so einen Zettel ausfüllen, wie lange man bleiben wird, wo, was man tun will, usw. und ihn dann bei der Passkontrolle abgeben. Das muss jedes mal bei der An- und Abreise gemacht werden, auch von den Koreanern! Auf jeden Fall, in dem Immigration Office wurden uns sogar die Fingerabdrücke für den Register abgenommen!!! Auch die Blutgruppe, Körperform, Größe und Haarfarbe wurden angegeben. Ich fühlte mich wie Kriminelle, obwohl es doch sehr amüsant war.
Endlich weiß ich, was ich im Stundenplan haben werde: Korean Language Class, Goethe und Faust, 3D Digital Animation, New-Media Design, Internet Broadcasting, History of Multimedia, Form and Photo, und Individual Study. Goethe und Faust ist schon ein Kurs von Germanistik, wird aber auf Koreanisch unterrichtet. Leider. Aber ich hab mich entschieden, den Kurs doch weiter zu machen. Ich bekam das Faust auf Deutsch von dem Professoren und drei Aufgaben dazu für die ersten 60 Seiten. Das nächste Mal geh ich zur Vorlesung im Oktober wieder. Es gibt hier meistens nur einen Nativen für Fremdsprachen, welches ich sehr seltsam finde, denn zumindest in Tampere sind die Finnen eher die Minorität. Multimedienkurse sind ebenfalls auf Koreanisch, abgesehen von dem History of Multimedia, den der Professor auf Englisch untterichtet (für Koreaner und für mich), alle anderen sind zwar auf Koreanisch, aber die Dozenten und Professoren werden sich Mühe geben, mich auf Englisch zu unterrichten – die anderen können Englisch besser, die anderen eben viel weniger, aber ich glaube es wird kein Problem sein. Herausforderungen muss es doch im Leben des Einen geben! Ich bin wirklich froh darüber, dass ich nicht diese Englischsprachigen Marketing- usw. Kurse besuche. Ich werde auch drei Sportkurse mitmachen, falls es nur möglich ist, sie ohne die Credits anzunehmen, zu besuchen (es gibt hier eine bestimmte Menge an Credits, die man pro Jahr/Semester machen darf und bei mir passen diese Kurse ansonsten nicht im Stundenplan rein), das wären dann Tanzkurs, Bowling und Yoga. Andere Sportkurse, die man hier wählen kann (als Schulkurse, NICHT freizeitlich) sind z.B. Wasserski, Tennis, Schwimmen, Skilaufen, Jazztanz und Camping!
Es ist sehr billig, in den Schulrestaurants zu essen, genau wie es auch in den normalen Restaurants billig ist. Aber die Gerichte sind mir noch viel zu scharf. Ich kann das Essen einfach nicht genießen, wenn mein Mund und Hals in Flammen sind. In diesem einen Restaurant auf dem Kampus ist der Preis für ein Essen nur W1500 (1.20€). Normalerweise koche ich für mich zu Hause selbst was oder bestelle Bi Bim Bab in einem Restaurant. Es ist vegetarisch, und dazu kann ich die Menge der Chilisose selbst bestimmen. Für den Preis von W3000 bekommt man ausreichend zu essen, und es ist nicht wirklich teurer als das Essen an der Uni in Finnland. Ich hab auch ein neues Getränk, Aloe, entdeckt. Ja, dasselbe woraus man Körperlotion macht. Es ist hellgrün, da schweben so kleine Dinger mit drinnen, es ist gesund und schmeckt gut!
Seitdem Semesterbeginn lerne ich ständig neue Leute kennen. Fast jeden Tag bekomme ich eine neue Telefonnumer und eine E-mail -Adresse. Sie sagen mir, ich soll sie einfach kontaktieren, falls ich mal Hilfe brauche, Gesellschaft oder Stadtguide brauche. Die allermutigsten und diejenigen, die am Besten Englisch können, waren selber mal Austauschstudenten in den USA und haben wohl Sympathie für mich “Ich weiß wie es ist, alleine im fremden Land zu sein“. Es sind richtig nette Mädchen! Ich bin auch Stammgast in dem Board Game Cafe. Ich war letztens gestern Abend dort, sogar drei Stunden lang. Mir wurde Koreanisch beigebracht und ich hab dafür dem Chef Englisch beigebracht. Nach diesem Jahr hab ich sicherlich besseres Hintergrundwissen fürs Tutoren der koreanischen Austauschstudenten in Tampere. Jetzt weiß ich ja genau, aus welcher Kultur sie herkommen, woran sie gewohnt sind, was für sie komplett neu ist. Und ich meine jetzt nicht die Sauna und den kalten Winter, sondern die kulturelle Seite.
Westlichen Leute scheinen hier ein Gefühl der Zusammenhörigkeit zu haben. Sie begrüßen einander, obwohl sie sich gar nicht kennen. Wahrscheinlich ist das eine Art Empathie “du bist ja auch hier“.
Nächste Woche ist dann gleich wieder Ferien außer Montag und Dienstag. Es ist Chuseok, koreanischer Thanksgiving Day nach dem Mondkalender. “Unser” Kalender, das auch in Korea benutzt wird, ist wiederum Sonnenkalender. Chuseok ist mehr wie das westliche Weihnachten, und Weihnachten ist wiederum nicht was SO Großes. Man spricht, es werden 25 Millionen Koreaner unterwegs zu ihren Familien in den kommenden Tagen sein, und schlimme Verkehrsstaus sind zu erwarten. Normalerweise dauert die Fahrt von Seoul nach Busan (450km) fünf Stunden mit dem Auto, aber nächste Woche wird sie höchstwahrscheinlich 14 Stunden dauern!!! Seoul wird leer (es ist sehr schwer, sich so etwas bei der Stadt mit 11 Millionen Einwohnern vorzustellen) und fast alle Geschäfte bleiben geschlossen.
Ich habe vor, das Reisetagebuch jede Woche zu schreiben, aber ich kann wirklich nichts garantieren… In diesem Semester werd ich eine Seoul-Internetseite mit Video und allem drum und dran in dem Kurs Internet Broadcasting machen, und werde wohl das Tagebuch hier hinzufügen. Die anderen Studentinnen müssen den Projekt vom letzten Semester wiederholen, und deswegen hat mir die Lehrerin eine eigene Aufgabe gegeben. Mal schauen, was daraus wird.. Ich wünsche Euch allen einen schönen September und Herbstsemester!
Bis demnächst..
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