* Kalender 2012 *

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Korea Fotokalender 2012
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Seite 07

22. August 2003
Ich gewöhne mich langsam daran, dass ich angestarrt werde. Immer, und überall. Ich hab die Reaktionen der Menschen in vier Kategorien verteilt: Die Kinder starren sehr offen an, ohne irgendwas zu verheimlichen. Das ist der Art Starren, wo man sich wirklich keine Gedanken machen soll, aber es ist gerade das Allerschlimmste meiner Meinung nach. Sie lächeln und winken mich auch an. Der Großteil aller Leute entweder nur guckt mich schnell an, oder schaut länger zu, oder sogar mehrmals. So geht es bei mir immer in der U-Bahn. Da bin ich schon angewöhnt und mache mir keine Gedanken darüber. Ich bin auch die allgemeine Sehenswürdigkeit, wo ich auch immer hingehe, um mir diese Kultur anzuschauen, wie am Samstag letzter Woche in dem Traditionellen Koreanischen Dorf (Namsangol) “Hey, guckt euch das mal an, eine Ausländerin!”. Wenn ich alleine bin, kann ich mir nur vorstellen, dass sie sich über mich unterhalten, aber wenn ich eine Koreanerin dabei habe, bekomme ich schnellstens die Übersetzung. Einige Männer starren hier genau so an, wie sie das in Finnland tun, vom Kopf bis Fuß. Die Schlimmsten sind aber nicht-Koreaner, die südländischen Männer. Wie schon gesagt, genauso wie in Finnland.. Manchmal erschräcke ich meine Mitmenschen, ohne das zu wollen. Das letzte Mal, als ich Brot beim Bäcker gekauft habe, hat das Mädchen mich nicht angeschaut, als sie das Brot vom Tisch in die Tüte reingetan und mir den Preis gesagt hat. Ich war bei diesem Bäcker schon so oft, dass sie sich sicherlich um mich erinnern kann. Aber als ich dann auf Englisch um den Preis fragte, hat sie mich angeschaut und war deutlich erschräckt. Gleich danach wurde ich schon angelächelt, hab den Preis im Display des Taschenrechners lesen können und es war alles wieder in Ordnung. Letzte Woche hab ich auf Yoon Sung an der U-Bahn gewartet, hab mich an die Wand neben einem großen Spiegel gelehnt. Aus der U-Bahn kam eine Mutter mit drei Kindern, wobei das Jüngste noch im Schoß mitreiste. Die Mutter wollte ihm sein Spiegelbild zeigen, aber die Augen des Kleinen waren nur auf mich fixiert, er hätte sich wirklich nicht weniger für den Spiegel interessieren können. Als die Mutter bei diesem Versuch keinen Erfolg hatte, sind sie alle weiter zum Exit gelaufen. Der Kleine starrte mich noch immer an und dann hat er gewinkt und mich angelächelt. Als ich zurückgewinkt habe, sind die Augen des Kleinen richtig froh geworden “Es war doch gar keine Außerirdische…”.
Das Winken ist hier wirklich was Alltägliches. Immer, wenn man Abschied von Bekannten nimmt, winkt man, lächelt man und sagt Tschüß als ob es keinen morgigen Tag gäbe. Als ich Anfang der Woche auf einen Fotoladen suchte, hab ich plötzlich von der anderen Straßenseite “Hello, hello!” gehört. Als ich da hinschaute, standen dort vier Koreanerinnen und haben mich angewinkt. Hab ich wieder auf gleiche Art geantwortet.
Im Fotoladen hatten die Verkäuferin und ich keine gemeinsame Sprache. Sie kam mir richtig symphatisch vor, aber konnte kein Wort Englisch. Und mein Wortschatz im Koreanischen ist nun auch nicht gerade hervorragend. Auf dem Umschlag konnte ich meinen Namen, Telefonnummer und E-Mail -Adresse ausfüllen, aber dann kam es zur Wahl der Bildergröße. Obwohl man in Korea das metrische System hat, benutzt man bei Fotos Zoll. Und da bin ich nicht wirklich angewöhnt bei. Sie hat mir ein Bild in der Größe 4″x6″ gezeigt, die auch genau das war, was ich haben wollte, 10×15cm. Sie hat auch mit einem Exemplar mich gefragt, ob ich die weiße Rande haben will. Nein, wollte ich nicht. Aber dann hat sie mir irgendwas erzählt, das ich einfach nicht verstehen konnte. Da musste ich Yoon Sung anrufen, und sie darum bitten, mit ihr zu sprechen. Ich dürfte die Fotos um sieben Uhr Abends abholen. Es waren 34 Bilder, und es war so billig, nur W8 300 (6.54€). Das Fotopapier ist übrigens etwas anders.
Regenschirme und Fächer bekommen hier eine ganz neue Bedeutung für mich. Der Regenschirm schützt sowohl vor dem Regen als auch dem Sonnenschein. Der Fächer ist wirklich etwas, was man immer dabei haben sollte. Manche Leute haben einen “richtigen” Fächer, und manche kühlen sich mit einem Werbe-Fächer ab, so einen hab ich auch in den ersten sonnigen Tagen auf der Straße bekommen. Ohne meinen Fächer gehe ich nicht raus aus dem Haus.
Vorletzte Woche hab ich auch einen Professoren der Multimedia, Dr. Bae, getroffen. Er ist ein richtig netter Mann, wir haben an dem Tag drei Stunden zusammen verbracht, wobei er mir sowohl den Kursangebot als auch einiges vom Kampus vorgestellt hat, insbesondere das Gebäude Gollege of Fine Arts. Wir haben auch ein bisschen Kulturaustausch gemacht. Es gibt keine Kurse in Multimedia auf Englisch, aber es wäre wohl kein Problem, dass ich trotzdem an den Kursen teilnehme. Ich bin nicht die erste Austauschstudentin dieser Universität, aber ich bin die Erste, die Multimedia während des Austauschjahres machen will. Der Großteil der Lehrer kann Englisch, aber nicht alle, aber es sollte trotzdem kein Hindernis sein. Er hat mir auch einen Kurs von der Graduate School empfohlen, der eigentlich nur für GS-Studenten ist und dazu noch auf Koreanisch, aber WENN ICH nur teilnehmen will, macht er den Kurs offen für alle, und hält ihn auf Englisch. Huh. Nur für mich?! Ich hab interessante Kurse vor mir, 2D- und 3D-Animation (Flash, Illustrator, 3D Studio Max), Clay Animation, Webdesign, Fernsehwerbung, und der Kurs, auf den ich am Meisten warte: Fotographieren. Über den Korean Language Course weiß ich noch nichts Weiteres, das Interview dafür findet im September statt. Am Ende des Monats treffe ich mich mit meiner Koordinatorin und anderen Austauschstudenten (aus Japan, China, Finland und Deutschland) für die Orientation. Ich kann kaum noch darauf warten, denn ich könnte wirklich was zu tun gebrauchen…
To Dam Gol hieß das traditionelle Koreanische Restaurant, wo wir essen waren. Es gibt auch Vegetarisches Essen dort, deswegen sind wir hin. Es hieß Dol Sot Bi Bim Bab, was wir auf den Tisch bekamen, heißen Topf mit Reis und gemischte Gemüse ([bab]=Reis). Zuerst gab’s jedem kaltes Wasser zum trinken. Danach wurden zehn kleine Becher mit Gemüse, kleine Kartoffeln (im süßen Soja Sose und Zucker), Zucchini, Pilze, … was auch immer dabei waren, auf den Tisch gebracht. Das Eine war natürlich das Koreanische Nationalgericht Nr. Eins, kimchi. Kohl, gewürzt mit Knoblauch und Chili. Richtig scharf und würzig, und mir reichte auch erstmal nur ein kleines Bisschen davon. Dann hat jeder einen heißen Topf mit Reis und Gemüse bekommen. Zwei Becher Chili Sose, wovon ich nur ganz wenig in meinem Portion mit reingemischt habe – und trotzdem war’s scharf! Wer die japanische Misosuppe kennt, weisst ja, dass sie sehr mild ist. Aber die Koreanische ist natürlich scharf – bloß nur zum Anfang. Nach dem ich meinen Reis-Gemüse aufgegessen hatte, kam mir die Suppe auch ziemlich mild vor. Zum Schluss gab es noch was zum Trinken, kaltes Honigwasser mit Reis drinnen. Sehr süß, nicht wirklich ein Durstlöscher ;) Wer bezahlt, das ist mir in dieser Kultur noch nicht ganz klar geworden. Wahrscheinlich kommt jeder mal dran. Ich weiss noch nicht, wann ich mal dran sein werde.
Es hat hier fast die ganze Woche geregnet, aber letztes Wochenende war ein sehr schönes Wetter, und ich war mit Nae-young auf einer Stadt-Rundfahrt mit dem Bus (an dem Tag besuchten wir auch das Dorf) und hab die Umgebung von oben auf dem Namsan -Berg in Namsan Seoul Tower -Aussichtsturm bewundert. Es war wunderschön, als die Sonne gerade runterging. Ich weiss noch nicht, ob die Bilder was geworden sind, aber mal schauen. Ich muss mal tagsüber hin, um Fotos zu machen. Ist übrigens kein kleines Dorf, diese Seoul hier…
Bilder kommen noch, wenn ich erstmal einen Scanner finde. Aber nur einige, ausgewählte Aufnahmen. Das Leben rollt weiter, ich bin hier jetzt seit drei Wochen und fühle mich wie zu Hause. Ich warte aber nur darauf, dass die Vorlesungen beginnen…
Um Vorurteile abzuräumen, man ISST KEINE Katzen in Korea. Das tun die Chinesen. Aber in Korea isst man Hunde. Ich, als Vegetarierin, werde auch hier keinen Fleisch anfassen, also werde ich den Geschmack unserer lieben Haustiere auch hier nicht kennen lernen…

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