11. August 2003
Der 11. Tag in Seoul, und ich bin immernoch am Leben. Nicht, dass ich was anderes erwartet hätte… Das Leben hier ist nicht wirklich anders als das zu Hause in Finnland. Klar, die Umgebung ist anders, aber ansonsten, nicht so sehr.
Letzte Woche hab ich Passfotos machen lassen, und obwohl der Fotograph und ich die Sprachen von einander nicht beherrschten, konnten wir trotzdem alles Nötige mitteilen: wieviele Fotos, welche Größe, was das kosten wird – und wann ich sie abholen kann. Auch mit dem Wächter des Hauses wo ich wohne, muss man viel mit Händen und Füßen reden, damit die Sache klar wird, in beiden Richtungen. Er spricht mir Koreanisch (das ich nicht verstehe) und ich spreche ihm Englisch (das er nicht versteht). Das sind schon lustige Situationen, aber bisher ist alles gut gegangen. Da hab ich zum Beispiel eine 1.5-Liter-Flasche McCol gekauft, dachte, das wäre das lokale Cola. War’s aber nicht, sondern Limonade schon, aber schmeckte nach Mocca. Kaffee halt.. uuh. So, mit der obengenannten Art und Weise hab ich die Flasche dem Wächter verschenkt – und ich hab aus dem Fehler gelernt.Einige Wörter und Phrasen kann ich schon, aber so richtig benutzen tue ich sie noch nicht. Hoffentlich kann ich bald anfangen, die Sprache systematisch zu lernen!
Die Finnische Botschaft und Immigration Office of Seoul waren auf meiner Besuchsliste letzte Woche. Bei den Finnen hab ich alles hingekriegt, aber die Registration und multiple re-entry konnte ich nicht beantragen, wegen wehlendem Papier. War zwar nicht meine Schuld, aber egal… es hat noch Zeit.
Gestern bin ich Lehnmaterial geworden. Ich war gerade im Kyobo Book Store (das größte in Seoul) und hab mir Korea-Bücher durchgeschaut, als mich drei Schulmädchen ansprachen, ob ich Koreanisch spreche. Danach haben sie mir ein Wort, “homework”, gesagt und zeigten mir ein Papier mit einigen Fragen. Mit sehr gebrochenem Englisch wurde dann nach folgendes gefragt: Wie ich heiße, wo ich herkomme, was ist mein Lieblingsplatz in Korea (Oh, hätten die das erst in einem halben Jahr gefragt, jetzt konnte ich nur Seoul beantworten), wie ich mich hier fühle, wie man am besten Englisch lernen kann und was mein Lieblingsessen in Korea ist. Einige längere Antworten hab ich ihnen selbst aufs Papier geschrieben, und den Rest hat die Eine selbst geschrieben. Zum Schluss wurde ich noch mit einem der Mädchen Fotographiert und danach haben sie sich kichernd bedankt und sind gegangen.
Als alleinelaufende, nicht-Koreanerin bin ich wohl sehr interessant und leicht zum Ansprechen. Es vergeht kaum eine U-Bahn-Fahrt und schon gar keinen Tag ohne, dass ich über mich selbst einem Koreaner erzählen darf. Ja, tatsächlich, die Koreanerinnen sprechen mich eben nicht an. Mit anderen macht das sogar Spaß, mich wird sogar gefragt, ob sie mich bis meiner Haltestelle begleiten dürfen, aber mit anderen wiederum das Gegenteil. Wenn die Sprachkenntnisse schon so schwach sind, dass es wirklich schwer fällt zu verstehen, was sie sagen wollen, und wenn du schon in deren Augen siehst, dass deine etwas längere Antwort nicht verstanden wird… Ha, am Samstag war ich beim Friseur und hatte ein kleines bisschen Angst, ob ich mit Locken oder gar ohne Haare rauskomme. Da konnte nämlich keiner Englisch, ausser der eine einzige männliche Angestellte, der einige Wörter konnte, um mich zu bedienen. Es waren auch genug: “cut”, “long”, “short” und “twelvethousand” (der Preis, W12 000, das wären 9.45€). So, ich hab das bekommen, was ich wollte, nur ein kleines bisschen abschneiden.
Gestern hab ich angefangen, ein 1000-Teil Puzzle zusammenzubauen. Falls sich jetzt jemand fragt, ob ich nicht besseres zu habe, immerhin bin ich in einer ganz neuen Welt hier, … nein, nicht immer. Am Samstag besuchte ich Changdeokgung -Palast ([gung]=Palast) und spielte ein wenig Tourist mit meinem Fotoapparat. Mit der U-Bahn muss ich sowieso so viel hin und her fahren, dass das will ich auch nicht nur zum Spaß tun. Also, so viel Tendenz zu Perfektionismus wie ich auch habe, fiel es mir richtig schwer gestern Abend, mit dem Zusammentun aufzuhören, um ins Bett zu gehen. Das weiß auch eine Freundin von mir, mit der ich eine Mittsommernacht so ähnliches machte, vor mehrere Jahren war das… Es gibt noch einiges zu tun dabei, da kann ich später heute Abend oder morgen weiter machen. In Finnland muss ich’s übrigens nochmals machen, damit ich’s auf die Wand bekomme! Heute Abend gehe ich mit Yoon Sung (meine Koreanische Freundin, die das Frühjahrssemester in Tampere verbrachte) und ihren Freunden in ein Koreanisches Restaurant zum Essen. Beim nächsten Mal werde ich wohl einiges über das traditionelle koreanische Essen zu sagen haben!
Seoul bedankt sich und sagt Ciao, bis zum nächsten Mal!
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Meine Koreanischen Freunde hatten in Südafrika gekocht, recht scharf war das aber hat auch sehr gut geschmeckt.